Brustkrebs

Dieser Artikel wurde bisher 1927x gelesen und zuletzt am 30.09.2015 bearbeitet.

Wir haben in Deutschland meiner Meinung nach das beste Gesundheitssystem der Welt. Alle Ärzte/innen gemeinsam wollen helfen Sie davon zu befreien. Ihr wichtigster Arzt ist Ihr Hausarzt/in; Er/ Sie wird über alle Behandlungsschritte informiert, damit er/sie weis wo Sie im Behandlungsverlauf stehen.

Ich kenne meine hausärztlichen Kollegen/ innen im Umkreis, und weis was für eine engagierte und qualifizierte Arbeit Sie tagtäglich leisten. Brustkrebs ist ein sehr böses Wort, das Angst und Panik macht. Normalerweise kann man Brustkrebs heilen und Sie dauerhaft davon befreien.

In meiner Praxis sind in 15 Jahren etwa 800 Frauen erkrankt.

  • Fast alle sind geheilt
  • Nur etwa 5 – 10 geht es schlecht
  • Bei etwa 5 – 10 ist der Krebs wiedergekommen, und konnte wieder entfernt werden

Diese Zahlen sollen Ihnen Mut machen.

Wenn eine Gewebeprobe ergeben hat, dass Sie an Brustkrebs erkrankt sind, wird man zunächst eine Operation in Vollnarkose durchführen um den gesamten Krebs zu entfernen. Weiterhin entnimmt man der Achselhöhle etwa 1 – 5 Lymphknoten, um zu sehen, ob der Brustkrebs in die Achselhöhle gestreut hat.

Man markiert den Brustkrebsherd in der Brust mit einem schwach radioaktiven Marker oder blauer Farbe und entnimmt dann den ersten Lymphknoten, bei dem das Kontrastmittel ankommt. Diesen Lymphknoten nennt man den Wächterlymphknoten. Auf Englisch heißt Wächter (Sentinel), das ganze heißt auf Medizin Denglisch SLNB sentinel lymph node biopsy.

Früher hat man meist standardmäßig 20 – 30 Lymphknoten entfernt, obwohl dies gar nicht nötig war, weil gar keine Lymphknoten betroffen waren. Dies hat häufig zu einer Schwellung des Armes geführt (Lymphödem).

Heute werden nur mehr als 5 Lymphknoten entfernt, wenn der Wächterlymphknoten betroffen ist. Und selbst dies wird diskutiert ob es erforderlich ist. Der Krankenaufenthalt hierfür beträgt etwa sechs Tage.

Die meisten Frauen in unserer Gegend werden in Oldenburg, Eutin oder der Uni Klinik Lübeck operiert; das Marien Krankenhaus Lübeck bietet die Behandlung ebenfalls an.

Die Richtlinien, sozusagen die Gebrauchsanweisung für die Behandlung, sind weltweit gleich. Jeder Arzt/Ärztin die auf der Welt, die Brustkrebs behandeln, müssen sich daran halten. Der Arzt für die Zelluntersuchung (Pathologe) gibt uns das Gewebsergebnis; dies nennt man Histologie. Die Histologie sagt uns, ob der Krebs mit genügendem Sicherheitsabstand entfernt ist.

Weiterhin gibt uns das Ergebnis genaue Informationen, um was für einen Brustkrebs es sich handelt, und welche Risikofaktoren im Gewebe enthalten sind.

Die drängendste Frage ist natürlich: Brauche ich eine Chemotherapie?

Genau diese Frage beantwortet das Gewebsergebnis.

Es gibt im Gewebe Bösartigkeitskriterien, die eine Chemotherapie empfehlenswert machen. Die Chemotherapie kann in Oldenburg in der Frauenabteilung, oder bei unserem Spezialisten für Krebsbehandlung (Onkologe) Dr. Hübner gemacht werden. Weiterhin muss immer wenn man den Krebs brusterhaltend operiert, was in fast 80% der Fall ist eine Bestrahlung der Brust erfolgen. Hierfür braucht man speziell ausgebildete Ärzte (Strahlentherapeuten) und spezielle Geräte, die einem strengen Strahlenschutzgesetz unterliegen. Meistens wird die Strahlentherapie im medizinischen Zentrum Curavid in Lübeck gemacht, Oldenburg oder Eutin verfügen über solche Geräte nicht.

Man bestrahlt die Brust mit eine Dosis von etwa 50 Gray. Dies ist die Dosis, die einem Körper maximal zugemutet werden kann. Allerdings nicht auf ein Mal, sondern in etwa 30 Häppchen, fünf pro Woche, einmal pro Arbeitstag, so dass mit einer Dauer von sechs Wochen für die Bestrahlung zu rechnen ist. Heute wird versucht die Bestrahlungsdauer zu verkürzen, in dem man schon bei der Operation das OP Gebiet bestrahlt, oder nach der OP stationär. Fast alle unserer Patientinnen waren jedoch die sechs Wochen in Lübeck. Die Krankenkasse übernimmt die Taxikosten für die Bestrahlungsfahrten.

Sollte es erforderlich sein, die Brust zu entfernen, weil es bestimmte Konstellationen gab, die dies unumgänglich machten, haben wir auch hier Hilfe.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten des Brustwiederaufbaus in der plastischen Chirurgie. Sie stehen jeder betroffenen Frau zur Verfügung.

Früher hat man fälschlicherweise keine Chemotherapie gegeben, wenn die Lymphknoten nicht betroffen waren. Das war ein Fehler denn bei vielen Frauen ist der Brustkrebs wiedergekommen und / oder sie sind daran gestorben. Man wusste es aber nicht besser. Heute wird das Gewebe viel genauer untersucht und nach viel mehr Eigenschaften getestet, so dass man besser abschätzen kann wie bösartig der einzelne Krebs ist.

Ich möchte jetzt die Risikomarker, die man im Gewebe bestimmt, die entscheiden, ob eine Chemotherapie empfohlen wird, darlegen.

Sind im Gewebe Rezeptoren (empfindliche Stellen) für die weiblichen Hormone Östrogen/ oder Progesteron vorhanden?
ER 1 – 12 gibt die Menge an Östrogenrezeptoren an, PR 1 – 12 Progesteronrezeptoren.
Sind Rezeptoren vorhanden ist dies gut, wenn nein ist dies schlecht (der Tumor ist bösartiger), man sagt rezeptornegativ.

Hat der Tumor die Fähigkeit Blutgefäße zu bilden?
Dies nennt man - her2 - Status, es geht von negativ - bis drei plus +++

Wie ist das Grading? Wie stark entartet ist das Gewebe?
G1 gut G 2 mittel G3 schlecht
Der Pathologie Professor Reza Pawaresch aus Kiel hat einen Risikomarker gefunden und ihn Ki 67 genannt. Ist er zu mehr als 15 % vorhanden ist das schlecht. Also Ki 67 > 15% schlecht.

Es gibt einen weiteren Risikofaktor, welcher im Gewebe bestimmt werden kann. Er heißt Plasminogen- Aktivator vom Urokinase Typ uPA, und seinen Hemmfaktor (Inhibitor) PAI- 1. Man bestimmt also uPA und PAI. uPA > 3 ng schlecht — PAI-1 > 14 ng schlecht Grob gesagt G 1 keine Chemotherapie, G3 Chemotherapie G2 und uPA und PAI in Ordnung keine Chemotherapie G1 und uPA und PAI erhöht Chemotherapie

Sind mehr als 3 Lymphknoten befallen Chemotherapie Es gibt Gentests aus dem Gewebe, die zur Zeit aber noch keine Standarduntersuchung sind, Oncotype DX oder Endopredict, die eine Risikoabschätzung erlauben. Also zunächst OP, dann Bestrahlung und oder eine Chemotherapie. Danach kommt es darauf an ob im Gewebe Rezeptoren für Hormone vorhanden waren, falls ja muss man noch fünf Jahre Antihormontabletten nehmen. Hier kommt es darauf an ob man schon in den Wechseljahren ist oder nicht. Wenn man noch nicht in den Wechseljahren ist nimmt man Tamoxifen ein Mittel welches die Rezeptoren blockiert.

Wenn man schon in den Wechseljahren ist, soll man sogenannte Aromatasehemmer nehmen. Medikamente die verhindern, das der Körper aus Eigengewebe Östrogen (das weibliche Hormon) bildet. Hiervon gibt es derzeit drei verschieden Mittel. Leider können diese Medikamente auch Knochenschmerzen machen. Es kann sein, dass Sie zusätzlich eine Phosphorhaltige Infusion bekommen müssen, damit die Knochen in ihrer Stabilität unterstützt werden.

Dies in kurzen Worten der Ablauf welcher auf Sie zukommen wird, falls eine Brustkrebsdiagnose gestellt wird.

Ausführliche Literatur zum Nachlesen finden Sie unter folgenden Links: