Mammographie und QuaMaDi

Dieser Artikel wurde bisher 2158x gelesen und zuletzt am 30.09.2015 bearbeitet.

Screening bedeutet man untersucht jeden, um zu sehen ob eine Erkrankung vorhanden ist. Vor sechs Jahren hat die Bundesregierung beschlossen bundesweit die Mammographie als Screeningprogramm einzuführen. Hierbei werden alle Frauen von 50 – 69 alle zwei Jahre über die Einwohnermeldeämter zu einer Röntgenuntersuchung der Brust eingeladen. Im Bus wird die Mammographie von einer RTA (Röntgentechnischen Assisstentin) angefertigt und über eine Datenleitung in unserem Raum an die Praxis Tesdorpf Haus weitergeleitet. Dort beurteilen zwei Ärzte die Aufnahmen und laden Sie bei Unklarheiten zu weiteren Untersuchungen z.B. Ultraschall oder MR Mammographie oder Biopsie ein.

Dies ist ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Es gibt auch Kritikpunkte, nämlich dass kein Arzt/in und Ultraschall vor Ort sind, so dass der/die Arzt/in bei einer röntgendichten Brust
(es ist sehr viel Milchgewebe vorhanden) keinen zusätzlichen Ultraschall machen kann. Weiterhin sind alle Frauen ab 70 und unter 50 ausgeschlossen. Wir können froh und dankbar sein, dass es das Mammographiescreening gibt, denn es wird bei sehr vielen Frauen ein Brustkrebs im Frühstadium durch das Screening entdeckt.

QuaMaDi - qualitätsgesicherte Mammadiagnostik

Wie in meiner Praxis angeboten.

Vor etwa 18 Jahren waren die Gesundheitsministerin von Schleswig Holstein Heide Moser und die Ministerpräsidentin Heide Simonis an Brustkrebs erkrankt.

Damals befand sich das erste Brustzentrum in der Universitätfrauenklinik Kiel im Aufbau unter der Leitung von Frau Professor Schreer und Professor Jonat, beides führende Ärzte in der Brustkrebsdiagnostik und Behandlung. Ich hatte das große Glück dort meine Ausbildung machen zu dürfen.

Die Ministerin (leider inzwischen an Brustkrebs verstorben) und die Ministerpräsidentin sind in der Uniklinik Kiel behandelt worden. Dies ist kein Geheimnis und kann hier öffentlich preisgegeben werden. Das Thema Brustkrebs war also auf höchster politischer Ebene präsent.

In Zusammenarbeit mit den Krankenkassen und den obigen Personen ist das QuaMaDi Programm bereits seit 15 Jahren in Schleswig Holstein eigeführt worden. Nur in unserem Bundesland steht es zu Verfügung. Seit 2001 in Oldenburg bei mir.

Seit es das Screening gibt, dürfen wundersamerweise in Schleswig Holstein alle Frauen ab dem 70. Lebensjahr ohne weitere Gründe am QuaMaDi Programm teilnehmen. Wir haben in Schleswig Holstein etwa 350 Frauenärzte/innen und etwa 50 Radiologen, die an dem QuaMaDi Programm teilnehmen. Bei 9 Frauenärzten/innen gibt es den Sonderfall, wie auch bei mir, dass sie auch Teilradiologe für Mammographie sind.

Üblicherweise überweist der/ die Frauenarzt/in Sie mit einem grünen Bogen, auf dem steht warum die Mammographie gemacht werden soll, zum Radiologen, der die Mammographie macht. Wenn der Radiologe/in sieht, dass ein Ultraschall der Brust erforderlich ist, macht er/sie ihn gleich mit.

Nun wird das Ergebnis der Untersuchung für jede Brust rechts und links und einzeln für die Mammographie und den Ultraschall auf einem roten Befunderbogen eingetragen.

Fünf Stufen für jede Seite:

  1. Ohne Befund; es ist Nichts zu sehen
  2. Es gibt nur 100% gutartige Strukturen
  3. Die Befund sind zu 99% gutartig, aber man will eine Kontrolle in einem halben Jahr
  4. Der Befund ist verdächtig, man muss eine Probe entnehmen.
  5. Es besteht der Verdacht auf Brustkrebs

Nun werden die Bilder zu einem zweiten Arzt/in geschickt, außer bei 5 dann wird sofort alles Erforderliche veranlasst.

Der zweite Arzt/in muss blind das gleiche Urteil fällen. Dies wird in Segeberg bei der Kassenärztlichen Vereinigung von einer Mitarbeiterin geprüft. Sind wir uns einig (Konsens)schreibe ich meinen Brief an Ihren Hausarzt. Sind wir uns nicht einig (Dissens) gehen Ihre Bilder in das Brustzentrum der Uni Klinik Lübeck zur Drittbeurteilung. Dies ist bei ca. 10 von 100 Mammographien der Fall. Fünf Mal möchte die Chefin dort Sie auch noch untersuchen, und oder eine Probe entnehmen, dann rufe ich Sie an. Fünf Mal schickt Sie uns eine abschließende Beurteilung und Empfehlung, dann brauchen Sie nicht nach Lübeck fahren. Der Hausarzt bekommt wie immer seinen Brief.

Alle zwei Monate fahre ich in das Mammazentrum nach Lübeck, wo schwierige Fälle besprochen werden. Alle zwei Jahre mache ich in Segeberg eine Prüfung, bei der die Fähigkeit Brustkrebs zu erkennen direkt geprüft wird. Einmal im Jahr werden von der KV 10 Aufnahmen stichprobenartig angefordert, um zu sehen ob diese korrekt sind. Täglich wird die Technik der Anlage geprüft mit Kontrollbildern. Zwei Mal im Jahr kommt Siemens zur Wartung der Anlage. Alle 5 Jahre der TÜV. Wir wollen alles tun um Nichts zu übersehen.